Parschat "Bechukkotai" (Lev.26,3 - 27,34) S.407
"Wenn ihr nach meinen Gesetzen wandelt"

Der Wochenabschnitt "Bechukkotai" birgt die gewaltigste Herausforderung, die es je gab und die es je geben wird, eine wahrhaft kosmische, universale Herausforderung: der Beweis, daß eine gesunde und normale Welt möglich ist; daß es möglich ist, eine Welt des Glückes, des geistigen und des materiellen Segens zu schaffen. 

"Wenn ihr nach meinen Gesetzen wandelt, und meine Gebote beobachtet und sie tuet - so werde ich euch Regen geben zur rechten Zeit, daß die Erde gebe ihren Ertrag...und ich werde Frieden geben in das Land...und euch fruchtbar machen...und ich werde wandeln unter euch" (Lev.26,3-12). 
So ein hohes Ziel hat sich noch keine Religion, keine Kultur und keine philosophische Richtung gesteckt. 

Nun stellt sich hier allerdings eine große Frage (und verbirgt sich ein wichtiges Prinzip): Warum reagiert die Welt mit einem solchen Chaos auf unsere Bemühungen? Warum reagiert sie mit so viel Blindheit auf unseren guten Willen? Warum gibt es soviel Verbrechen und Dummheit? 

Darauf gibt es im wesentlichen zwei Antworten: 
1. Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung. Die Menschen glauben, die Welt sei zur Hoffnungslosigkeit verdammt. Der Einzelne könne sich vielleicht ein stilles Eckchen materiellen und spirituellen Glückes einrichten, für die Welt als Ganzes aber gebe es keine Hoffnung. - Unausweichlich muß so ein tragischer Standpunkt, den Rabbiner A.J.Kuk "den Drang nach Verzweiflung" nennt, am Ende zu Verbrechen und Gewalt führen. 

2. Es ist möglich, aus dieser Welt etwas zu machen und die Lage zu retten. Dieser, nach Rabbiner Kuk, "Drang der Rettung" begnügt sich nicht mit gutem Willen allein. Dieser würde auch gar nicht ausreichen, denn für dieses Projekt braucht man große Weisheit und tagtägliche Kleinarbeit. Die Weisheit, die zu einer gelungenen Welt führt, findet sich in der Tora, die sich im Einzelnen durch die konsequente Ausübung der Gebote definiert. Die Tora enthält die Grundregeln der Existenz, und die Gebote bilden die Gesetze des erfolgreichen Seins. 

Damit machen wir die Welt zum Paradies: "Und ich werde wandeln unter euch und ich werde euch G~tt sein" (Lev.26,12). "Ich spaziere mit euch im Garten Eden wie einer von euch, und ihr werdet nicht vor mir zurückschrecken" (Raschi ebda.). Eine ideale, normale Welt, in der das Absolute in freundliche Nähe rückt. Eine greifbare, reale Welt, 
nicht eine Welt voller Kranker, sondern die Welt, die den Höhepunkt unseres Glaubensbestrebens darstellt.