Chanukka S.461
Realismus und Glauben

Ist es nicht verwunderlich, daß die Anhänger des Jehuda Makkabi zu Beginn des
Aufstandes nur einige hundert, vielleicht ein paar tausend, zählten? Sehnte sich denn
nicht das ganze jüdische Volk nach nationaler und spiritueller Freiheit?!

Vielmehr waren die Skeptiker der Ansicht, daß unsere Kräfte bei weitem nicht
ausreichten, sich mit der griechischen Supermacht zu messen, deren Armee vielleicht
die beste der Welt war. Demgegenüber waren die Bewohner Jehudas ("Judäa") nicht
gerade das, was man Kriegshelden oder auch nur erfahrene Krieger nennt. Die
Skeptiker hielten sich für "Realisten". Außerdem waren sie davon überzeugt, daß die
Aufständischen mit ihrem spirituellen und nationalen Eifer die gesamte Bevölkerung,
inklusive Frauen und Kinder, gefährdeten.

Nun waren diese Umstände natürlich auch Jehuda Makkabi bekannt, und er war
sicher kein geringerer Realist als sonst irgendjemand. Er kannte die Lage vor Ort viel
besser als alle anderen. Er mußte sich sogar dieselben Zweifel von seinen eigenen
Soldaten anhören, wie uns im Buch der Chaschmona'im berichtet wird. Seine
Weltanschauung fußte jedoch auf der Erfahrung vieler Generationen, und er erklärte
seinen Soldaten, daß die jüdische Geschichte, und wir mit ihr, es nicht weit gebracht
hätte, wenn es immer nach den "Realisten" gegangen wäre. Weder wären wir aus
Ägypten gezogen, denn das war sicher nicht realistisch, noch wäre David gegen
Goliat angetreten, denn auch diese Situation hatte keine besonders realistischen
Erfolgsaussichten. Kurz und gut, sagte Jehuda Makkabi, kommt man nicht um die
Tatsache herum, daß in der jüdischen Nation göttliche Kräfte am Werke sind. Oder
einfacher ausgedrückt: Man muß im Glauben an G~tt handeln. Oder wie es der große
nichtjüdische Geschichtswissenschaftlers Giovanni Battista Vico, des "Vaters" der
neueren Geschichtsphilosophie, ausdrückte: die historischen Prozesse der Nichtjuden
werden von säkularen Kräften gelenkt, die des Volkes Israel hingegen durch die
Kräfte des Heiligen.

Daher, verkündete Jehuda Makkabi, handelt es sich bei unserer Verbindung zu G~tt
nicht nur um ein lediglich didaktisch-literarisch-philosophisches Thema, über das sich
recht angenehm plaudern läßt, sondern um echte, faktische Wirklichkeit, die wir in
unser militärisches und poltisches Kalkül einbeziehen müssen. Das erste Mal nach
dem Ende der Prophetie steht hier ein Mann auf und sagt: Glauben an G~tt gehört zur
Praxis, nicht nur zur Theorie, und auf dieser Grundlage ziehe ich in den Krieg. Damit
steht ein für allemal fest, daß der Glauben an G~tt Realismus der erhabensten und
umfassendsten Stufe darstellt.
 

Selbstmord oder Aufstand? S.462

War es wirklich so klug von den Chaschmona'im, den Aufstand anzufangen, wo sie
doch Wenige gegen Viele, Schwache gegen Starke waren? War das nicht beinahe
Selbstmord? Die Antwort gibt das Wunder vom Ölkrug, das ihnen im Nachhinein
rechtgab: so wie der kleine Ölkrug die "übermächtige" Anzahl von Tagen gegen die
Regeln der Natur bezwang, so auch bei den Aufständischen, die nach allen Regeln der
Kunst nicht die geringste Chance zum Sieg hatten, aber zur Heiligung des göttlichen
Namens und für Tora und Glauben behielten sie zum Schluß die Oberhand.

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