Unser Vorvater Awraham verlangte nicht irgendeinen Begräbnisplatz
für Sara, wie er
noch am Anfang sagte (Gen. 23,4); selbst ein Ehrengrab war ihm nicht
gut genug
(23,6) - sondern gerade die Höhle Machpela mußte es sein
(23,9), diese und keine
andere. Und warum? Weil dort Adam und Chawa ("Eva") begraben liegen,
und
Awraham und Sara führten als deren Erben den mit jenen begonnenen
historischen
Entwicklungsprozeß weiter.
Zwanzig Generationen vergingen von Adam über Noach bis Awraham
(siehe
"Sprüche der Väter",5.Kap.,2-3). All ihr Verdienst fiel ihm
zu, denn nur durch sein
Erscheinen am Ende dieser Generationenkette ließ sich deren Existenz
moralisch
rechtfertigen. Awraham trat in die Fußstapfen des ersten Menschen,
er ist der wahre
Mensch (Adam: hebräisch für "Mensch"): "Ihr heißt
Menschen [Adam], die Völker der
Welt aber heißen nicht Menschen [Adam]" (Jewamot 61a).
Darum brauchte gerade er
die Höhle Machpela.
So war es zuallererst nötig, einen ausführlichen Nachruf auf
Sara zu halten, um den
Söhnen Chets ihre wahre Bedeutung vor Augen zu führen und
zu zeigen, wie sehr sie
würdig ist, ebendort begraben zu werden. Darüberhinaus war
ihnen Sara sicher
bekannt, da sie schon lange in der Gegend wohnte (siehe Nachmanides-Kommentar).
Der Talmud (Sanhedrin 46b) lehrt uns, daß ein öffentlicher
Nachruf zur Ehrung des
Verstorbenen und nicht zur Ehrung der Hinterbliebenen abgehalten wird;
so diente
auch hier der Nachruf auf Sara ihrer Würdigung vor den Chittitern
(Sfornokommentar
zu 23,2).
Bekanntlich waren die Söhne Chets nicht irgendein kleiner Stamm,
sondern eine
ausgewachsene Zivilisation, der Gipfel kanaanitischer Kultur, und Kanaan
wiederum
der Erbe Chams und somit direkter Nachkomme Noachs. Die Kanaaniter
beherrschten damals das Land Israel, den Dreh- und Angelpunkt der Welt.
Durch das
unheilige Verhalten und die Sittenlosigkeit ihres Vorvaters Cham waren
auch sie
verdorben, und nach vier Generationen sollte ihr Sündenmaß
voll werden
(Gen.15,16). Gegenüber unserem Vorvater Awraham, dem "göttlichen
Fürsten",
befanden sie sich im Niedergang. Efron ben Zochar [Awrahams
Kontrahent beim
Höhlenkauf] befand sich auf dem Niveau des Staubes (Efron, von
Afar = Staub), im
Gegensatz zu seinen Vorvätern, die Licht und Glanz glichen (Zochar
- weiß, Glanz):
"du wirst wieder zu Staub werden" (Gen. 3,19). Demgegenüber nannte
sich Awraham
"Staub (Afar) und Asche (Efer)" (Gen. 18,27), erst nur
"Staub", dann "Asche", die
durchs Feuer ging, von Afar mit dem Anfangsbuchstaben Ajin
(Zahlenwert 70), der
auf Vielfalt deutet, hin zu Efer mit dem Anfangsbuchstaben Alef
(Zahlenwert 1), der
die allumfassende Einheit symbolisiert.
Unsere talmudischen Weisen sagten, daß Efron die Höhle widerlich
fand, für ihn war
sie nur ein dunkles, finsteres Loch - und so verkaufte er sie. Sie
paßte nicht zu ihm.
Entsprechend dem oben Erwähnten kam das auch in den Worten Awrahams
zum
Ausdruck: "Höret mich an", "Möchtest du mich nur anhören!"
(23,8+13) - waren sie
denn alle taub ?! Vielmehr wollte er andeuten: Verstehet, was ich euch
wirklich sagen
will, warum ich gerade die Höhle Machpela brauche, usw.
Darum heißt es bei unseren Weisen über den Vers: "So wurde
bestätigt das Feld
Efrons" (Gen. 23,17), daß es seine wahre Bestimmung fand, seine
wahre
Zugehörigkeit in Beständigkeit und Dauerhaftigkeit.
Und hier beginnt die wirkliche Inbesitznahme des Bodens Erez Israels
durch unseren
Vorvater Awraham.
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