| Parschat "Schlach Lecha" (4. Buch Moscheh 13,1 - 15,41) S.414
"Die Kundschafter" Die Kundschafter waren alles angesehene und gerechte Leute: "..lauter Männer, die Häupter der Kinder Israels waren" (Num.13,3). Raschi [= Rabbiner Schlomo ben Jizchak, größter Bibel- und Talmudkommentator, lebte vor ca. 900 Jahren in Süddeutschland und Nordfrankreich] erklärte: "'Männer' bedeutet überall in der Schrift 'von Ansehen'; in jener Stunde waren sie noch fromm". Gleichzeitig aber waren sie auch schlechte Menschen. "'Sie gingen und begaben sich' - warum steht 'sie gingen'? Um ihr Weggehen mit ihrer Heimkehr zu vergleichen; wie ihre Heimkehr mit einem bösen Plane verbunden war, so war schon ihr Weggehen mit einem bösen Plane" (Raschi zu Num.13,26). Wie kann das angehen? Wohl galten sie als Gerechte auf persönlich-
individueller Ebene, böse aber in Bezug auf allgemein-israelische
Angelegenheiten. Sie glaubten nicht, daß sich die göttliche
Heiligkeit auf ein Stück Erde, das Land Israel, ausbreiten könne.
Sie verstanden nicht den wesentlichen Unterschied zwischen dem jüdischen
Volk im Lande Israel und in der Zerstreuung. Im Exil manifestiert sich
die Heiligkeit
Obwohl die Kundschafter von außerordentlichem geistigen Format waren, konnten sie sich jedoch nicht der besonderen Land-Israel bezogenen göttlichen Führung der jüdischen Gemeinschaft anpassen, wie aus dem Sohar [=Buch der Kabbala] hervorgeht. Demnach sprachen sie: "In der Wüste waren wir die Ersten, im Lande Israel werden wir nicht die Ersten sein". Sie waren große Gerechte im persönlich-individuellen Sinne, was sie zu Ersten entsprechend unserer Lage im Ausland machte. Im Hinblick aber auf allgemein-israelische Angelegenheiten, wie sie in ihrer Vollständigkeit nur im Lande Israel erscheinen, verhielten sie sich verbrecherisch. Und diese Sünde begleitete uns seitdem die ganze Zeit; jetzt aber erstehen wir von Neuem und finden Ermutigung in den Wundern, die G~tt an seinem Volke übt. |