Der Tempel wird auf dem Fundament der Freigebigkeit gebaut: "Von jedermann,
den
sein Herz dazu antreibt, sollt ihr die Spende für mich nehmen"
(Ex. 25,2). So und
nicht anders. Manchmal nötigt man jemanden zum Spenden, was der
Sache keinen
Abbruch tut, denn die Wohltätigkeit ist eine unserer nationalen
Eigenschaften. An
drei Zeichen läßt sich diese Nation erkennen: An der Barmherzigkeit,
der
Schamhaftigkeit und der Mildtätigkeit (Jewamot 79a). Da nun die
Freigebigkeit zum
Nationalcharakter gehört, bleibt sie Freigebigkeit, auch wenn
man zu ihr zwingt. In
der Halacha gibt es z.B. den Fall, wenn jemand ein Opfer versprochen
hat und es
dann aber nicht zum Tempel bringt. Man nötige ihn dann, es darzubringen
- und
trotzdem heißt es "freiwilliges Opfer" (Baba Batra 48a).
"...neben die Edlen, neben die Edlen seines Volkes" (Psalm 113,8), "die
Edlen der
Völker sind versammelt, das Volk des G~ttes Awrahams" (Psalm 47,10).
Glücklich
können wir uns schätzen, "Nediwim", Freigebige/Edle
genannt zu werden. Wir sind
die Aristokratie der Freigebigen, und darum begann mit dem Bau des
Wüstenheiligtums ("Mischkan") die göttliche Erziehung
zur Freigebigkeit, um diese
in unserem Allerinnersten latent vorhandene Eigenschaft zu aktivieren.
Damals
offenbarte sich eine alles überwältigende Spendenfreudigkeit:
"Da befahl Moscheh,
daß man im Lager ausrufen lasse: Weder Mann noch Frau sollen
mehr Arbeit
anfertigen für die Spende des Heiligtums. So wehrte man dem Volk,
weiter zu
bringen. Denn das Verfertigte war genügend zum ganzen Werke, es
zu machen; es
war noch übrig" (Ex.36,6-7).
Auch der Bau des Tempels hat mit Freigebigkeit zu tun. Wie entdeckte
König David
den rechten Platz für den Tempel? Er sah zwei Brüder, die
nahe beieinander wohnten,
der eine kinderlos, der andere mit Kindern. Eines Nachts nun brachte
der kinderlose
heimlich, im Schutze der Dunkelheit, seinem Bruder von seinem Getreide
auf dessen
Speicher, weil er sich sagte, jener habe ja eine viel größere
Familie zu ernähren.
Wenig später machte sich der zweite Bruder ebenso heimlich auf
den Weg, um dem
anderen von seinen Erzeugnissen zu bringen; er sagte sich, jener hat
keine Kinder, die
ihm Freude machen können - so soll er wenigstens keine Armut leiden.
Da spürte
König David eine heilige Eingebung, den Platz für den Tempel
vor sich zu haben. Der
Ort der Freigebigkeit - das ist der Ort des Tempels.
* * *